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Die Reihe Real Scenes des Online-Magazins Resident Advisor portraitiert – gesponsert von einem englischen Bekleidungsunternehmen – die elektronische Musikszenen in ausgewählten Städten.

»Real Scenes is a series of films […] in which we explore the musical, cultural and creative climate within electronic music’s key destinations.«

Den Anfang machen die englische Stadt Bristol (!) und Detroit. Ein Feature über Berlin befindet sich in der Produktion. Ein Dank geht an Christian-Maria Götz für den Hinweis auf die Filmreihe.

Kurzweiliges Anschauungsmaterial auch im Zusammenhang mit dem Themenkomplex Musikkultur und Stadtraum bzw. Clubkultur und Stadtraum, welches auch im Kontext des verschiedene Disziplinen umfassenden Forschungsansatzes der »cultural studies« thematisiert wird.

»Im Fokus steht dabei oft die Interdependenz zwischen Stadt als Lebens- und Erfahrungswelt und der sich daraus generierenden Musikkultur. Hierbei wird oft der Begriff des »Sound of …« thematisiert, der in der Populärmusik dazu benutzt wird einen mehr oder weniger dezidierten Musikstil hinsichtlich seines Entstehungsorts bzw. der Herkunft der jeweiligen Musiker zu charakterisieren und somit auch einen konkreten Ort mit spezifischen musikalischen Attributen und Ausdrucksformen zu verbinden und vice versa.

[…]

Im Zusammenhang mit der Entstehung der musikalischen Ausdrucksform »Techno« im Berlin der Nachwendezeit, die sich im besonderen Maße über ihre Clubkultur definierte, werden sogar inhaltliche Bezüge zur damaligen städtebaulichen Konfiguration Ost-Berlins gezogen, in dem die »postindustrielle Landschaft« nicht nur im räumlichen, sondern auch im musikalischästhetischen Sinne prägend gewesen sei (Bader 2005: S.104ff.; Waltz, Weskott 2005: 146ff.).

Eine gewisse Signifikanz bekommt diese Argumentationslinie allerdings mit Bezug auf die Stadt Detroit und den so genannten »Detroit-Sound«, der in seinem musikalischen Minimalismus als wegweisend für den »Techno« gilt und erst durch dessen Popularität an Aufmerksamkeit gewann (Bader 2005: ebd.; Rapp 2009).

Dass der »Detroit-Sound« insbesondere in Berlin auf Resonanz stieß und zum »Techno« entwickelt wurde, führt der Geograph Ingo Bader auf die vergleichbaren sozioökonomischen Verhältnisse in der von Deindustrialisierungsprozessen geprägten amerikanischen Autostadt und dem sich transformierenden Berlin Ende der 1980er und Anfang der 1990er Jahre zurück (ebd.).

Die vergleichbaren Symptome der »globalen Prozesse des postmodernen Urbanismus« (ebd.) hätten somit in Form des »Detroit-Sound« und des »Techno« in beiden Städten auch ähnliche musikalische Ausdrucksformen gefunden.

Diese Verknüpfung von Stadtraum und Musik- bzw. Clubkultur zeigt sich auch in der Semantik des im Veranstaltungswesen gängigen Begriffs »Location«, der oft nicht nur eine räumliche Verortung, sondern auch das damit verbundene Ambiente beinhaltet und auf eine intendierte symbolische Transformation räumlicher Begebenheit auf das jeweilige Veranstaltungskonzept schließen lässt.«

Zitiert aus: Schmid, J. F. (2009): Clubkultur und Stadtentwicklung, Diplomarbeit HCU Hamburg, S.36f.

Quellen:
Bader; I. (2005): Die Rolle der Subkultur für die Entwicklung der Berliner Musikindustrie, in: Scharenberg, A.; Bader, I. (Hrsg.): der Sound der Stadt – Musikindustrie und Subkultur in Berlin, Münster, Verlag Westfälisches Dampfboot, S.104ff.

Waltz, A.; Weskott, A. (2005): Von Detroit nach Berlin, in: Scharenberg, A.; Bader, I. (Hrsg.): der Sound der Stadt – Musikindustrie und Subkultur in Berlin, Verlag Westfälisches Dampfboot, Münster,
S.146-159.

Rapp, Tobias (2009): Lost and Sound. Berlin, Techno und der Easyjetset, Frankfurt am Main, Suhrkamp.
Artikel auf stadtnachacht.de

Weiterführende Literatur zum Thema »Sound of …«:

Gillet, C. (1971/1983/1996): The Sound of the City: The Rise of Rock and Roll, div., London.
Thornton, S. (1996): Club Cultures: Music, Media and Subcultural Capital, Middletown, Wesleyan University Press.
Bennett, A. (2000): Popular Music and Youth Culture: Music, Identity and Place, Macmillan, London.